Wie entsteht Hochwasser – und welche Maßnahmen helfen wirklich, Schäden zu verhindern? Mit dieser Frage hat sich die Designstudentin Mette Maibaum im ersten Semester des Masterstudiengangs Design in ihrem Projekt „Overflow“ beschäftigt. Das Ergebnis ist ein kooperatives Lernspiel, das zentrale Zusammenhänge des Hochwasserschutzes verständlich und spielerisch erfahrbar macht. Beraten wurde Frau Maibaum durch das IWW (Lehrstuhl und Institut für Wasserwirtschaft, RWTH Aachen University).
Ausgangspunkt des Projekts ist die Beobachtung, dass das Bewusstsein für Hochwasserrisiken in der Gesellschaft oft schnell wieder nachlässt. Obwohl Extremereignisse wie die Flutkatastrophe im Jahr 2021 mit enormen Schäden und vielen Todesopfern eindrücklich gezeigt haben, wie groß die Gefahr sein kann, findet eine langfristige Auseinandersetzung mit Hochwasserschutz häufig nur in Fachkreisen statt. Dieses Phänomen kennen wir als „Hochwasserdemenz“. Ziel des Projekts war daher, komplexe Zusammenhänge rund um Hochwasserentstehung und -schutz in einer Form zu vermitteln, die Diskussion und Verständnis fördert.
Das von Mette Maibaum entwickelte Spiel „Overflow“ ist als kooperatives Legespiel konzipiert. Mehrere Spielerinnen und Spieler arbeiten gemeinsam daran, eine möglichst hochwasserresiliente Landschaft zu gestalten. Ausgangspunkt ist ein Spielfeld mit einem zunächst begradigten Fluss. Durch das Platzieren verschiedener Landschaftsplättchen verändern die Spielenden nach und nach die Umgebung und versuchen dabei, das Hochwasserrisiko so gering wie möglich zu halten.
Die Spielmechanik basiert auf der Wechselwirkung zwischen Risikofaktoren und Schutzmaßnahmen. Einige Plättchen stellen beispielsweise Bebauung oder Infrastruktur dar, die zwar wirtschaftliche Vorteile bringen und Budgetpunkte erzeugen, gleichzeitig jedoch das Hochwasserrisiko erhöhen. Andere Plättchen symbolisieren Maßnahmen wie Wälder, Moore, Flussauen, Deiche oder Rückhaltebecken. Diese können das Risiko senken, müssen jedoch mit vorhandenen Ressourcen finanziert werden. Dadurch entsteht ein strategisches Spannungsfeld zwischen kurzfristigen Vorteilen und langfristigem Schutz – eine Situation, die auch realen Entscheidungsprozessen im Hochwassermanagement ähnelt.
Zusätzliche Regeln orientieren sich an realen hydrologischen und planerischen Zusammenhängen. So dürfen beispielsweise Deiche nur im Flachland platziert werden, während Rückhaltebecken typischerweise im Mittelgebirge eingesetzt werden. Wohngebiete dürfen nicht im berechneten Überschwemmungsgebiet liegen, es sei denn, sie werden durch geeignete Schutzmaßnahmen abgesichert. Auf diese Weise vermittelt das Spiel grundlegende Prinzipien des Hochwasserschutzes und der Raumplanung.
Um die Dynamik realer Ereignisse abzubilden, integriert das Spiel außerdem Ereigniskarten, die das Geschehen verändern können. Beispiele sind etwa der Klimawandel, der Risikofaktoren verstärkt, oder staatliche Förderprogramme, die Schutzmaßnahmen günstiger machen. Solche Elemente zeigen, dass Hochwasserrisiken nicht statisch sind, sondern durch äußere Rahmenbedingungen beeinflusst werden.
Mit „Overflow“ zeigt die Studentin, wie Design zur Vermittlung komplexer wasserwirtschaftlicher Themen beitragen kann. Das Spiel richtet sich nicht nur an Studierende oder Lehrende, sondern auch an Schulen, Kommunen oder andere Akteurinnen und Akteure, die sich mit Hochwasservorsorge beschäftigen. Als Lern- und Diskussionswerkzeug kann es dabei helfen, ein besseres Verständnis für die Wechselwirkungen zwischen Landschaftsnutzung, Schutzmaßnahmen und Hochwasserrisiken zu entwickeln. Das Projekt verdeutlicht damit, wie interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Design und Wasserwirtschaft neue Wege der Wissensvermittlung eröffnen kann – und wie spielerische Formate dazu beitragen, das Bewusstsein für Hochwasserrisiken langfristig zu stärken.
Projektname: Overflow – ein kooperatives Lernspiel zum Thema Hochwasserschutz
Design, Konzeption und Produktion: Mette Maibaum (Kontaktanfragen bitte an das KAHR-Projektbüro:
Rahmen: 1. Semester Master Design an der FH Aachen (WS 25/26)
Betreuende Professorin: Prof. Dipl.-Des. Eva Vitting


